Offener Brief an Spitzensportler auf Sponsorensuche

Heute habe ich wieder einmal ein Beispiel für meine Rubrik Sponsoring-Fehler gefunden. Es handelt sich dabei um die "Sponsoring-Anfrage" eines aktuellen deutschen Olympiasiegers, für die ich nur Kopfschütteln übrig hatte. Daher möchte ich heute einen offenen Brief an alle Sportler richten, die beim Thema Sponsoring ähnlich unprofessionell unterwegs sind. Leider gibt es davon viel zu viele.

Die „Sponsoring-Anfrage“ auf der Website des Sportlers lautete folgendermaßen:

Bitte um Sponsoring

Da ich wegen meines Studiums und den zahlreichen Wettkämpfen viel in Deutschland und anderen Ländern unterwegs bin, bin ich auf Unterstützung angewiesen. Zudem benötige ich neue Sportkleidung und zusätzliche Materialien. Auch einen Eigenanteil für die verschiedensten Wettkämpfe und Trainingslager müssen mein Verein und ich aufbringen.

Deshalb bitte ich auf diesem Wege um Sponsoring oder Spenden. Wenn Sie Möglichkeiten sehen, mich zu unterstützen, treten Sie mit mir in Kontakt.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt dieses „Sponsoring-Angebotes“ diente besagter Sportler im Dienstgrad eines Stabsgefreiten als  Sportsoldat bei der Bundeswehr. Monats-Sold: mindestens 1977,58€ brutto.

Offener Brief an Spitensportler auf Sponsorensuche

Lieber Spitzensportler!

Als Top-Sportler verrichtest Du den ganzen Tag extrem harte körperliche Arbeit, um Deine sportlichen Ziele zu erreichen. Die meisten Menschen haben keine Vorstellung, welche mentalen und körperliche Qualen man als Spitzensportler auf sich nehmen muss. Die totale Ausrichtung auf den Sport machen ein normales Leben kaum möglich. Am Ende bleibt oft nur Ruhm und Ehre, denn nur ein winziger Bruchteil von Profi-Sportlern sind in der Lage nach der Karriere von ihrem Sport zu leben.

Aber dafür hast Du auch das seltene Privileg Dein Hobby zum Beruf zu machen. Welcher Sportler würde nicht gerne den ganzen Tag Sport treiben, die ganze Welt für Wettkämpfe bereisen und sich von den Massen zujubeln lassen?

Der Staat unterstützt Dich als Spitzensportler

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe und der Staat unterstützen Dich als Spitzensportler. Du wirst mit Kusshand bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll in Brot und Lohn genommen. Man bezahlt Dir Sold für’s Sporttreiben. Man tut einiges, damit Du Deinen Traum vom Profisportler leben kannst. Das reicht aber manchmal nicht, denn Training, Betreuer, Ausrüstung und Reisen kosten Geld. Unter Umständen sogar mehr Geld, als Dir zur Verfügung steht. Und daher gehst Du auf Sponsorensuche.

Du willst Profi sein? Dann verhalt Dich nicht wie ein Amateur!

Allerdings gehst Du bei der Sponsorensuche nicht ansatzweise so professionell vor, wie beim Training. Für Deine Trainingsbetreuung suchst Du Dir die besten Trainer, Physiotherapeuten und Ärzte. Aber beim Sponsoring verhältst Du Dich wie ein Amateur! Du jammerst, dass Ausrüstung, Training und Wettkämpfe so viel Geld kosten. Also fängst Du an Unternehmen um Geld anzubetteln. Begründung: Du brauchst Geld, weil Du ein so großartiger Sportler bist. Ganz ehrlich: Das interessiert ökonomisch denkende und professionell geführte Unternehmen einen feuchten Dreck. Der sportliche Erfolg reicht nicht!

Ist Deine Leistung etwas Wert, dann wird Dich ein Sponsor dafür bezahlen!

Unternehmen bzw. Unternehmer, die wirtschaftliche Interessen verfolgen, interessieren sich nicht für Dich, nur weil Du eine Medaille um den Hals hast. Sie interessieren sich erst für Dich, wenn…

  • …Du ein bestimmtes Image verkörperst, welches sich auf Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen übertragen lässt.
  • …Du dafür sorgen kannst, dass Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen durch Dich eine relevante Bekanntheit erreichen.
  • …Du Werbebotschaften in einer werberelevanten Zielgruppe platzieren kannst.
  • …Du in der Lage bist interessante Kontakte für den Sponsor herzustellen.

Wenn Du Unternehmen klar machen kannst, dass Du mehr anzubieten hast als nur ein guter Sportler zu sein, dann klappt es auch mit dem Sponsoring.

Biete Leistung, verhalte Dich wie ein Profi und hör auf zu betteln!

Um Sport-Profi zu sein gehört mehr als nur sportlicher Erfolg. Zum Sport-Profi gehört auch ein professionelles Sportmarketing!

  • Du willst Sport-Profi sein? Dann behandle das Thema Sponsoring ebenso professionell wie Dein Training.
  • Du willst Sponsoren finden? Dann sorge dafür, dass Du ein bestimmtes Image verkörperst und eine für Unternehmen relevante (Medien-) Reichweite generierst.
  • Du hast keine Ahnung wie Du vorgehen sollst? Dann fang an Dich in die Thematik Sportmarketing und Sponsoring einzulesen oder such Dir jemanden, der Dir alles dazu beibringen kann.
  • Du hast keine Zeit Dich mit dem Thema Sportmarketing und Sponsoring zu befassen? Dann such Dir einen Profi, der Dir das Thema abnimmt. Bedenke dabei aber, dass auch das seinen Preis hat.

Eines solltest Du aber dringend unterlassen: Sponsoring-Anschreiben zu verschicken ohne eine konkrete und für Unternehmen interessante Sponsoring-Leistung anzubieten. Zu einer Leistung gehört immer eine Gegenleistung. Wenn Du also nichts sinnvolles anzubieten hast, dann hör auf den Marketing-Mitarbeitern in den Unternehmen mit undurchdachten Sponsoring-Anfragen ihre Zeit zu stehlen. Damit machst Du Dich nur unbeliebt.

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