Regionalliga-Reform 2012: Profitum auf Kosten der Amateure?

Am 22. Oktober 2010 hat der DFB eine Reform der Regionalliga für 2012 beschlossen und spaltet somit den Amateurbereich weiter vom Profibereich ab. Lest hier wie sich die Ligastruktur im Fußball seit Gründung der Bundesliga verändert hat und welche Konsequenzen die neuerliche Reform für den Amateurfußball haben wird.

Regionalliga-Reform 2008/2009

Mit der Liga-Reform des Deutschen Fußball Bundes 2008/2009 und der Einführung einer dritten Profiliga machte der DFB einen weiteren Schritt hin zu Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fußballs. Leidtragende der Reform sind insbesondere die Vereine in den Regionalligen. Diese haben seit Einführung der dritten Liga mit enormen finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Reform hatte auch zur Folge, dass sich der sportliche Aufstieg für die Amateurclubs in die Profiliga immer schwieriger gestaltet.

Die Entwicklung bis hin zur Liga-Reform in der Saison 2008/2009 war ein langwieriger Prozess. Um diesen Prozess zu verstehen muss man sich anschauen welche Entwicklung die Ligastruktur des DFB seit Gründung der Bundesliga genommen hat.

Historie der Regionalliga-Reformen

Regionalliga-Reform 1963: Einführung der 1. Bundesliga

In der Saison 1963/1964 hatte der DFB erstmals ein Ligasystem etabliert. Die höchste Spielklasse war die Bundesliga. Die darunter angesiedelte zweite Spielklasse bestand aus fünf Regionalligen.

Ligastruktur des DFB in der Saison 1963/1964 (zum Vergrößern anklicken)
Ligastruktur des DFB in der Saison 1963/1964 (zum Vergrößern anklicken)

Anzahl Auf- bzw. Absteiger: 2

Absteiger aus der 1. Spielklasse: Die beiden Tabellenletzten

Aufsteiger aus der 2. Spielklasse: Die jeweils fünf Meister und Vizemeister spielten in zwei Gruppen zwei Sieger aus, die in die Bundesliga aufstiegen.

Bewertung: Der Aufstieg von der zweiten in die erste Spielklasse war sehr schwierig, da man sich nach der Liga-Meisterschaft nochmals gegen die Meister bzw. Vizemeister der anderen Regionalligen durchsetzen musste. Für Absteiger aus der Bundesliga war es sehr schwer wieder aufzusteigen. Insgesamt war die Basis für die erste Spielklasse viel zu breit. Das System hatte erheblich Mängel.

Regionalliga-Reform 1974/1975: Einführung der 2. Bundesliga

Mit der Spielzeit 1974/1975 wurden anstatt der fünf Regionalliga-Staffeln die 2. Bundesliga als zweithöchste Spielklasse  eingeführt. Darunter etablierten sich bis 1978 acht Oberligen als höchste Amateur-Spielklasse.

Ligasystem des DFB in der Saison 1978/1979 (zum Vergrößern anklicken)
Ligasystem des DFB in der Saison 1978/1979 (zum Vergrößern anklicken)

Absteiger aus der ersten Spielklasse: Die drei Letztplatzierten steigen in die zweite Spielklasse ab.

Aufsteiger aus der zweiten Spielklasse: Die beiden Meister steigen auf, die beiden Vizemeister spielen untereinander den dritten Aufsteiger aus.

Absteiger aus der zweiten Spielklasse: Die vier Letztplatzierten steigen in die dritte Spielklasse ab.

Aufsteiger aus der dritten Spielklasse: Die jeweils Erstplatzierten aus der dritten Spielklasse steigen auf.

Bewertung: Die Einführung der zweigleisigen 2. Bundesliga war ein Schritt in die richtige Richtung. Die Basis für die erste Spielklasse wurde durch die Einführung zweier darunter gelegener Ligen gestärkt. Man verbesserte die Leistungsdichte unterhalb der 1. Bundesliga und förderte den Wettbewerb und den Austausch der Clubs in 1. und der 2. Bundesliga durch die Einführung eines dritten Absteigers aus der 1. Bundesliga. Dies erhöhte die Spannung des Ligabetriebs und auch die Attraktivität der zweiten Liga, die einen immer größeren Zuschauerzuspruch bekam. Die Absteiger aus der 1. Bundesliga hatten es im Vergleich zum vorigen System zudem leichter wieder aufzusteigen.

Auch wurde mit je vier darunter liegenden Staffeln eine gute Basis für den Unterbau der zweiten Spielklasse geschaffen. Die Chancen für einen Aufstieg aus der dritten Spielklasse verbesserte sich stark.

1981/1982: Einführung der eingleisigen 2. Bundesliga

Zur Saison 1981/1982 führte man eine eingleisige 2. Bundesliga ein. Als Unterbau für die zweite Spielklasse dienten die darunter angesiedelten Oberligen als dritte Spielklasse.

Ligastruktur des DFB in der Saison 1981/1982
Ligastruktur des DFB in der Saison 1981/1982

Absteiger aus der ersten Spielklasse: Die zwei Letztplatzierten steigen direkt ab. Der Drittletzte muss in die Relegation mit dem Drittbesten der zweithöchsten Spielklasse.

Aufsteiger aus der zweiten Spielklasse: Die beiden Meister steigen auf, der Drittplazierte muss sich gegen den Drittletzten der ersten Liga durchsetzen um aufzusteigen.

Absteiger aus der zweiten Spielklasse: Die vier Letztplatzierten steigen in die dritte Spielklasse ab.

Aufsteiger aus der dritten Spielklasse: Die Sieger der acht Oberligen stellen vier Aufsteiger.

Bewertung: Mit der Einführung der eingleisigen zweiten Spielklasse steigerte man die Leistungsdichte für die 1. Bundesliga nochmals, allerdings auf Kosten der Amateur-Oberligen, für die es nun sehr viel schwerer wurde in den Profibereich aufzusteigen. Der Abstieg aus der 2. Bundesliga hatte nun unter Umständen dramatische Folgen und konnte den Abschied aus dem Profifußball für lange Zeit bedeuten. Für die Ausgeglichenheit des Ligasystems war diese Änderung ein großer Rückschritt. Die Abkehr vom Liga-Pyramidensystem förderte zwar den Profi-Bereich, schwächte aber den Amateur-Bereich.

Regionalliga-Reform 1994/1995: Wiedereinführung der Regionalliga

In der Saison 1994/1995 wurde die bisherige Ligastruktur als nicht mehr zeitgemäß betrachtet und man beschloss die Regionalliga als dritthöchste Spielklasse zur Erhöhung der Leistungsdichte für die 2. Bundesliga einzuführen.

Ligastruktur des DFB in der Saison 1994/1995
Ligastruktur des DFB in der Saison 1994/1995

Absteiger aus der ersten Spielklasse: Die drei Letztplatzierten steigen direkt ab

Aufsteiger aus der zweiten Spielklasse: Die drei Erstplatzierten steigen direkt auf

Absteiger aus der zweiten Spielklasse: Die vier Letztplatzierten steigen in die dritte Spielklasse ab.

Aufsteiger aus der dritten Spielklasse: Die vier Meister der Regionalligen steigen in die zweithöchste Spielklasse auf.

Bewertung: Die Einführung der vier Regionalliga-Staffeln erhöhte die Leistungsdichte für die 2. Bundesliga und steigerte die Chance der Amateurclubs einen Platz im Profibereich zu bekommen. Zudem war es für die Absteiger der 2. Bundesliga nun leichter wieder aufzusteigen und die Gefahr eines Absturzes im Amateurbereich wurde verringert. Insgesamt kann man diese Reform als recht gut bewerten.

Regionalliga-Reform 2000/2001: Reduzierung auf zwei Regionalliga-Staffeln

In der Saison 2000/2001 führte der DFB eine zweigleisige Regionalliga mit einer Süd- und einer Nord-Staffel ein.

Ligastruktur des DFB in der Saison 2000/2001
Ligastruktur des DFB in der Saison 2000/2001

Absteiger aus der ersten Spielklasse: Die drei Letztplatzierten steigen direkt ab

Aufsteiger aus der zweiten Spielklasse: Die drei Erstplatzierten steigen direkt auf

Absteiger aus der zweiten Spielklasse: Die vier Letztplatzierten steigen in die dritte Spielklasse ab.

Aufsteiger aus der dritten Spielklasse: Die beiden Meister der Regionalligen steigen in die zweithöchste Spielklasse auf.

Bewertung: Der DFB erhöhte zur Saison 2000/2001 nochmals die Leistungsdichte für die oberen Spielklassen durch die Reduzierung auf zwei Regionalliga-Staffel. Die Regionalliga-Vereine waren nun einem höheren sportlichen und finanziellen Druck (z.B. höhere Kosten durch Auswärtsfahren) ausgesetzt. Die Aufstiegschancen stiegen, allerdings erhöhte sich auch die Abstiegsgefahr und damit der Absturz in die Bedeutungslosigkeit, da die Anzahl der viertklassigen Oberligen durch die Reform gleich blieb und so der Wiederaufstieg enorm schwierig wurde. Dadurch waren die Oberligen die Verlierer der Reform.

Regionalliga-Reform 2008/2009 – Einführung einer dritten Profiliga

Mit der Saison 2008/2009  installierte man anstatt der beiden Regionalligen die 3. Liga als Profiliga. Die Regionalliga wurde zur vierthöchsten Spielklasse herabgestuft und in die Staffeln Süd, West und Nord unterteilt. Darunter sind elf Oberligen angesiedelt. Der Auf- bzw. Abstiegsmodus der Profiligen (1. Bundesliga, 2. Bundesliga, Dritte Liga) wurde umgestellt.

Ligastruktur des DFB in der Saison 2008/2009
Ligastruktur des DFB in der Saison 2008/2009

Absteiger aus der ersten Spielklasse: Die zwei Letztplatzierten steigen direkt in die zweite Spielklasse ab. Der Drittletzte muss in die Relegation mit dem Drittbesten der 2. Bundesliga.

Aufsteiger aus der zweiten Spielklasse: Die beiden Erstplatzierte steigen direkt auf, der Drittplazierte muss sich gegen den Drittletzten der 1. Bundesliga durchsetzen um aufzusteigen

Absteiger aus der zweiten Spielklasse: Die zwei Letztplatzierten steigen direkt ab. Der Drittletzte muss in die Relegation mit dem Drittbesten der 3. Liga.

Aufsteiger aus der dritten Spielklasse: Die beiden Erstplatzierten steigen direkt auf, der Drittplazierte muss sich gegen den Drittletzten der 2. Bundesliga durchsetzen um aufzusteigen.

Absteiger aus der dritten Spielklasse: Die drei Letztplatzierten steigen ab

Aufsteiger aus der vierten Spielklasse: Die drei Erstplatzierten steigen auf.

Bewertung: Mit der Einführung einer dritten Profiliga erhöhte der DFB die Leistungsdichte unter den ersten drei Spielklassen nochmals. Eine pyramidenförmige Ligastruktur ist nicht mehr zu erkennen. Der Zutritt der Amateurvereine zum Profi-Bereich wurde enorm beschränkt.  Der Unterbau für die dritthöchste Spielklasse umfasst nun drei viertklassige Staffeln.

Regionalliga-Reform 2008/2009

Mit der Einführung von drei Profiligen trägt man dem Fußball-Boom seit 2000 Rechnung, der zu einer stetig steigenden Kommerzialisierung und Professionalisierung geführt hat. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können benötigt man in den oberen Spielklassen eine enorm hohe Leistungsdichte. Die Gefahr eines Abstiegs aus den ersten beiden Ligen wurde durch Wiedereinführung der Relegation verringert. Zudem wurde die 3. Liga quasi zum „Auffangschirm“ für abgestiegene Zweitligavereine. Die Gefahr eines Absturzes in die „Bedeutungslosigkeit“ des Amateurbereichs wurde für die Zweitliga-Clubs deutlich reduziert. Zudem wurden die Abstiegschancen aus der 3. Liga mit nur drei Absteigern sehr niedrig gehalten.

Alles in allem ist der Profibereich zu einem recht „exklusiven Club“ mit extremen sportlichen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Zutrittsbeschränkungen geworden. Hierfür sorgen die hohen Auflagen von DFB und DFL. Aus Sicht der Proficlubs insgesamt also eine sehr wünschenswerte Entwicklung.

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind allerdings die Amateurclubs, speziell in der Regionalliga. Die zunehmende Professionalisierung des Fußballs hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Proficlubs enorm viel Geld in ihre Nachwuchsarbeit gesteckt haben. Die Folge: Die zweiten Mannschaften der Proficlubs „überschwemmen“ den Amateurbereich.

Saison 2008/2009: Sprunghafter Anstieg des des Anteild der zweiten Mannschaften in der Regionalliga
Saison 2008/2009: Sprunghafter Anstieg des des Anteils zweiter Mannschaften in der Regionalliga

Für die Proficlubs ist das natürlich hervorragend, denn so können die Reserveteams auf extrem hohem Niveau und unter Wettkampfedingungen ausgebildet werden. Letztendlich geht es darum diese sehr gut ausgebildeten Spieler im Profibereich zu installieren um die eigene Position dort weiter zu festigen oder auszubauen. Und um sich diese hervorragende „Trainingsmöglichkeit“ für die Reserveteams zu sichern und sich gegen einen Abstieg zu schützen ist es sogar theoretisch möglich Profis in der zweiten Mannschaft einzusetzen. Dieses Vorgehen reduziert aber gleichzeitig die Chancen für einen Amateurverein der Regionalliga den Sprung in den professionellen Fußball zu schaffen zusätzlich ein.

Kaum noch Chancen für Amateurvereine

Leidtragende der Liga-Reform sind vor allem die Amateurclubs der Regionalliga. Um sich zukünftig als Regionalligist Zugang in den Profibereich zu verschaffen muss man zwingend Regionalliga-Meister werden. Die Aufsteigschance für einen Regionalligisten ist also verschwindend gering. Zudem muss man sich in der Regionalliga auch noch gegen die finanziell und personell besser ausgestatteten Reserveteams der Proficlubs durchsetzen. Diese haben nämlich alle auch ein Interesse daran in die 3. Liga aufzusteigen und meistens auch das nötige Kleingeld dafür. Um sich auf Augenhöhe mit dieser (oft übermächtigen) Konkurrenz bewegen zu können lassen sich manche Amateurclubs auf einen ruinösen Wettbewerb ein. Mit fatalen Folgen, wie die vielen Vereinsinsolvenzen der ersten beiden Spielzeiten nach der Reform zeigen.

Nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ist die Liga-Reform aus der Saison 2008/2009 für die Vereine, die es nicht in die Dritte Liga geschafft haben ein Desaster. Die Medienpräsenz konzentriert sich nun überwiegend auf die drei Profiligen, weshalb man langfristig keine Fernsehgelder mehr vom DFB erhalten wird. Die fehlende Medienpräsenz führt dazu, dass die Vereine nicht mehr interessant für große Sponsoren sind. Die Einnahmen über das Sponsoring sinken. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass viele Reserveteams in der Regionalliga spielen. Betrachtet man die Zuschauerzahlen bei Spielen mit Beteiligung von Reserveteams muss man anhand leerer Stadien feststellen, dass diese Spiele für den Zuschauer nur wenig attraktiv sind.

Der anteilige Anstieg der Zweitvertretungen in Kombination mit der sportlichen Abwertung der Regionalliga von der dritten zur vierten Spielklasse führte also zu einem dramatischen Einbruch der Stadionbesucher. Die fehlenden Stadionbesucher machen die Vereine noch uninteressanter für Sponsoren, wodurch die Sponsoring-Erlöse zusätzlich einbrechen. Hinzu kommen enorm hohe Auflagen von Seiten des DFB an die Regionalliga-Vereine.

Manche Vereine der Regionalliga haben dies nicht verkraftet. Die Folge war, dass übermäßig viele sportliche Entscheidungen seit der Liga-Reform 2008/2009 am grünen Tisch gefällt wurden. Oft beantragen die Clubs erst gar keine Lizenz mehr für die zwischenzeitlich sogenannte „Todesliga“. Diejenigen, die den Traum vom Profifußball dennoch nicht aufgeben und weiterhin krampfhaft das Ziel Meistertitel und Aufstieg in die 3. Liga verfolgen bezahlen das nicht selten mit einer Insolvenz.

Folgende Übersicht zeigt welche Vereine an der „Hürde“ Regionalliga seit ihrer Reform gescheitert sind:

SaisonVereinKlassenerhalt sportlich geschafftAbstiegGrund
08/09Kickers EmdenjaVon der drittklassigen 3. Liga in die fünftklassige OberligaLizenz nicht erteilt (finanzielle und infrastrukturelle Gründe)
08/09FSV OggersheimjaVon der viertklassigen Regionalliga in die elftklassige KreisligaInsolvenz
08/09Victoria AschaffenburgjaVon der viertklassigen Regionalliga in die sechstklassige VerbandsligaLizenz nicht beantragt. Anschließende Insolvenz
08/09Altonaer FCneinVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige OberligaLizenz nicht erteilt (finanzielle Gründe)
09/10TSV GrossbardorfneinVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige OberligaLizenz nicht beantragt (finanzielle Gründe)
09/10 Tennis Borussia BerlinjaVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige OberligaInsolvenz
09/10Rot-Weiss EssenjaVon der viertklassigen Regionalliga in die Fünftklassieg OberligaInsolvenz
09/10Eintracht BambergneinVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige OberligaInsolvenz. Ein Insolvenzverfahren konnte aber mangels Masse nicht eröffnet werden und der Verein wurde aufgelöst.
09/10Bonner SCjaVon der viertklassigen Regionalliga in die zehntklassige KreisligaInsolvenz
09/10Waldhof MannheimjaVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige Oberliga Lizenz nicht erteilt (finanzielle Gründe)
09/10SSV ReutlingenjaVon der viertklassigen Regionalliga in die fünftklassige OberligaInsolvenz
Diese Entwicklung ist mehr als dramatisch. Diese großen Probleme in den Regionalligen haben zur Bildung einer Interessengemeinschaft unter den betroffenen Vereinen mit dem Namen Pro-Regionalliga-Reform-2012 geführt. Der DFB hat sich dem Thema angenommen und am 22. Oktober 2010 eine Reform der Regionalliga beschlossen. Eigentlich wäre das für die Regionalliga-Clubs ein Grund sich zu freuen. Eigentlich…

Regionalliga-Reform 2012

Die geplante Regionalliga-Reform 2012 sieht vor die Zahl der Regionalligen von drei auf fünf Staffeln zu erhöhen und „nur“ maximal sieben Reserveteams pro Staffel zuzulassen. Das würde aber folgendes Bedeuten:

  • Die Vertretungen der Proficlubs werden die Regionalliga weiterhin bevölkern und für unattraktive Partien und leere Stadien sorgen.
  • Die Beteiligung der Reserveteams führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, wenn dort weiterhin Profispieler aus den 1. Mannschaften eingesetzt werden dürfen.
  • Wird ein Reserveteam Regionalliga-Meister, dann nimmt es einem Amateurclub unter Umständen die Aufstiegsmöglichkeit.
  • Durch die Erhöhung auf fünf Regionalliga-Staffeln werden sich die Aufstiegschancen für die Amateurclubs vermutlich deutlich verschlechtern.
  • Die Vereine werden durch die zukünftig vollständig fehlende pyramidenförmige Ligastruktur nicht mehr sukzessive an den Profibereich herangeführt. Der Schritt vom Amateur- zum Profibereich wird dann sportlich, finanziell und strukturell für die Vereine einen so großen Umbruch bedeuten, dass die Meisten daran scheitern werden.
  • Bei einem Abstieg aus der 3. Liga werden die Einnahmen, insbesondere aus den Bereichen TV, Ticketing und Sponsoring für den Absteiger dramatisch einbrechen. Dadurch muss die Personal- und Infrastruktur auf einen Schlag wieder auf Amateur-Niveau reduziert werden. Dies dürfte das Aus für viele Absteiger aus der 3. Liga bedeuten.

Mir persönlich erschließt sich nicht, wie ein Verein den Sprung von der zukünftigen vierten Liga in die 3. Liga bewältigen soll und umgekehrt. Die Anforderungen in den beiden Ligen sind einfach viel zu unterschiedlich. Für mich ist es undenkbar wie sich ein Amateurverein aus der Regionalliga auf solch eine Veränderung langfristig vorbereiten und strukturell darauf anpassen soll. Vor allem im Hinblick darauf, dass sich ein möglicher Aufstieg manchmal erst sehr kurzfristig abzeichnet.

Außerdem müssen die Auflagen für die Teilnahme an der Regionalliga mit der Erweiterung auf fünf Staffeln deutlich sinken um nicht dasselbe Desaster zu erleben wie in den beiden ersten Spielzeiten nach der Reform 2008/2009. Dadurch wird sich die Kluft zwischen Regionalliga und 3. Liga mit Sicherheit nochmals vergrößern.

Welche Interessen vertritt der DFB?

Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen Zeit betrachtet beschleicht einen das Gefühl, dass der Deutsche Fußball Bund mehr und mehr die Interessen der Deutschen Fußball Liga vertritt. Ich meine aber, dass  die Spielklassen der Regional- und Landesverbände, wie in der Satzung des DFB verankert, eine ebenso hohe Priorität genießen sollten:

[…] Wichtigste Aufgabe des DFB ist die Ausübung des Fußballsports in Meisterschaftsspielen und Wettbewerben der Spielklassen der Regional- und Landesverbände und der Lizenzligen. Er trägt die Gesamtverantwortung für die Einheit des deutschen Fußballs. Der DFB handelt in sozialer und gesellschaftspolitischer Verantwortung und fühlt sich in hohem Maße dem Gedanken des Fair Play verbunden. Seiner besonderen Förderung unterliegt auch der Freizeit- und Breitensport. […]

Der DFB hat auch eine Verantwortung gegenüber dem Amateurbereich und muss ihm eine faire Chance geben sich innerhalb der Ligastruktur entwickeln zu können. Dies kann nur funktionieren, wenn die unterschiedlichen Leistungsklassen aufeinander aufbauen. Diese Entwicklung ist aber derzeit nicht zu erkennen.

Quellen

http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Bundesliga

http://de.wikipedia.org/wiki/2._Fußball-Bundesliga

http://de.wikipedia.org/wiki/3._Fußball-Liga

http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Regionalliga

http://de.wikipedia.org/wiki/Fußball-Oberliga

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